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Dylan und Caitlin Thomas

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DER 18. WHISKY

Caitlin-&-Dylan-Thomas-Revue unter dem Milchwald
Uraufführung

Entworfen, zusammengestellt und inszeniert
von Peter Wagner


unter ausschließlicher Verwendung von
Originalzitaten der AutorInnen Caitlin Thomas, Dylan Thomas, Michel Hamburger, John Malcolm Brinnin, Lawrence Durrell, Bill Read u.a.

DER 18. WHISKEY - TRAILER AUF YOUTUBE
ORF-Vorpremierenbericht Burgenland
ORF-Vorbericht Kärnten

Vorpremiere
Samstag, 10. Oktober 2015, 20.00 Uhr, Offenes Haus O berwart

Premiere
Mittwoch, 14. Oktober 2015, 20.00 Uhr, klagenfurter ensemble

Mit Roswitha Soukup, Bella Ban, Alexander Mitterer, Gernot Piff
Komposition und Live-Musik: Stefan Gfrerrer und Primus Sitter


Er war der erste Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts, dem der Status eines Rockstars zuteil wurde: Dylan Thomas. Den Engländern bereits als Wunderkind der Sprache bekannt, wurde er auf seinen vier Lesereisen durch die USA Anfang der Fünfzigerjahre zu einer Kultfigur, der Tausendschaften Zuhörer durch seine einzigartige Vortragskunst eigener und Gedichte der Weltliteratur in seinen Bann zog. Und er starb auch wie so manch anderer spätere Rockstar, nämlich an einer Überdosis der legalen Droge Alkohol, noch keine vierzig Jahre alt: Im Herbst des Jahres 1953 brannte sein Hirn nach dem Genuss von achtzehn Whiskys in einer New Yorker Bar aus. Somit war es Dylan Thomas auch nicht mehr beschieden, die öffentliche Erstausstrahlung jenes Werk, durch das er endgültig Weltruhm erlangen sollte, mitzuerleben: das Hörspiel „Unter dem Milchwald“, bei dem kein geringerer als Richard Burton mitwirkte.

Zu Lebzeiten ebenso umstritten wie berühmt, gehört sein Werk inzwischen zum festen Bestandteil der modernen Poesie. Seine Sprache vereint Weltschmerz und Lebenskraft, Sprachwitz und Morbidität. „Der Erste. Ich bin ein Waliser; der Zweite. Ich bin ein Trinker; der Dritte. Ich bin ein Menschenfreund, vor allem liebe ich die Frauen“, sagte er von sich selbst. Und auch die letzte dieser Behauptungen war Teil seines Lebensdramas: Vor allem die Beziehung zu seiner Frau Caitlin entwickelte sich zu einer immer leidenschaftlicher und auswegloser werdenden Amour Fou, die nicht nur vom Alkoholismus der beiden, wilden Schlägereien und Eifersuchtsanfällen überschattet war, sondern auch eine stete Quelle von Zärtlichkeit und tiefer Empfindung für einander darstellte.

Das Stück von Peter Wagner, zusammengesetzt ausschließlich aus Originalzitaten von und über Caitlin und Dylan Thomas sowie aus Szenen von „Unter dem Milchwald“, riskiert einen Blick auf die komplexe Geschichte dieser verrückten Liebe und agiert dabei nicht nur mit der Poesie der Sprache, sondern auch mit jener der Musik, des Lichts, der Bilder und des Kostüms. Licht- und Videokonzept: Peter Wagner
Technik und Bauten: Gottfried Lehner
Regieassistenz: Anja Michaela Wohlfahrt
Produktionsleitung: Tina Perisutti und Gerhard Lehner
Technische Assistenz: Konrad Überbacher

Eine Produktion des klagenfurter ensemble 2015

Kostüm und Ausstattung: Bella Ban
Lichttechnik und Bauten: Gottfried Lehner
Videotechnik und Ton: Konrad Überbacher
Regieassistenz: Anja Michaela Wohlfahrt
Produktionsleitung: Tina Perisutti, Gerhard Lehner
Büro: Franz Doliner


Folgende Fotos von der Inszenierung im klagenfurter ensemble 2015: Günter Jagoutz









Wortgewaltig, klug und poetisch: „Der 18. Whiskey“ im ke-Theater Halle 11

BERAUSCHT VON DER MASSLOSIGKEIT

Es erstaunt immer wieder, wie es Multitalent Peter Wagner schafft, schwere Inhalte „leicht“ zu erzählen. Zur Uraufführung seiner „Caitlin-&-Dylan-Thomas-Revue“ stellte der Theater-Kapazunder sein grandioses Können als Autor und Regisseur einmal mehr in den Dienst des klagenfurter ensembles.

Für den so stimmigen Bühnen-Minimalismus von Bella Ban brtaucht es nur wenige Versatzstücke, um die oszillierende Silhouette eines Paares zu verhören, das ohne Maßen liebte, lebte, trank und in der Glut seiner Maßlosigkeit (ver)brannte. Wie Brandflecken auf viel zu heller Haut erscheint ihre Liebe – ein janusköpfiges Raubtier, das schnurrend und mordend auf dem Schlachtfeld der Gefühle lauert, wo Caitlin Dylan Thomas zärtlich liebt und erbarmungslos prügelt.

Trunken von der immensen wortschöpfereischen Virtuosität des walisischen Dichters, der wie ein Popstar gefeiert wurde und sich nach 18. Whiskey zu Tode soff, ist Wagners Stückeinrichtung. Ein Gesamtkunstwerk, nein, ein eigenständiger Körper, der sich auf visueller, musikalischer und spielerischer Ebene vervielfacht, Perspektiven wechselt und mit der Polyphonie eines Sprachartisten biografische und literarische Originalzitate verzahnt.

Das Ergebnis ist ein vielschichtiger und hochprozentiger Paarlauf in sechs Kapiteln, der zur Generalprobe am Dienstag dem fieberweißen Gespann in Thomas´ Hauptwerk „Unter dem Milchwald“ ebenso nahe kommt wie es die (auto)biografische Sicht aller Beteiligten ermöglicht. Grandiose Charakter-„Vivisekteure“ im Milchwald und auf sich geworfen als Caitlin & Thomas sind Roswitha Soukup und Alexander Mitterer ebenso souverän wie Rollenwechsler Gernot Piff.

Bella Ban ist mit ihrem wiegenden Schreiten personifizierte Poesie, eine Klasse für sich und handlungstragend sind die Live-gespielten Kompositionen von Stefan Gfrerrer und Primus Sitter, die der Amour Fou Trost, Witz und Blues nach Noten verordnen. Nicht verpassen! Bis 31. Oktober.
Irina Lino, Neue Kronenzeitung









Zwei exzessive Leben im Alkoholdunst

Sehenswertes Porträt. Das klagenfurter ensemble hat die Herbstsaison mit der exzessiven Liebesgeschichte des Dichters Dylan Thomas und seiner Frau Caitlin eröffnet.

Er gilt als früher Protagonist der Popkultur, als Rockstar seiner Zeit: Der walisische Dichter Dylan Thomas konnte mit Worten umgehen wie andere mit Melodien und Rhythmen. Der Klang seiner Sprache wurde u.a. von Erich Fried ins Deutsche übersetzt, von den Beatles verehrt, von seinem Landsmann und Freund Richard Burton auf der Bühne verkörpert; und mit Bob Dylan (alias Robert Zimmermann) benannte sich einer der größten Barden des 20. Jahrhunderts nach dem 1953 verstorbenen Poeten.

Diese Ehrfurcht und Begeisterung merkt man auch der jüngsten Produktion des klagenfurter ensembles an, das nach der Zwangspause durch die Finanzsperre nun wieder zeigt, was es kann: In Peter Wagners „Der 18. Whiskey“ wird der Schriftsteller nicht bloß als Trunkenbold und Frauenheld einem voyeuristischen Publikum vorgeführt, sondern ein Künstlerleben behutsam porträtiert.

„Die Zärtlichkeit war immer da“, resümiert auch Thomas´ Ehefrau Caitlin (Roswitha Soukup), Mutter seiner drei Kinder, über ihr Leben mit dem Genie, das so wüst trinken und lieben konnte. Ihr Rückblick auf das gemeinsame Leben – vom Ende zum Anfang hin aufgerollt – bildet den Handlungsstrang dieser „Caitlin-&-Dylan-Thomas-Revue unter dem Milchwald“. Raffiniert verwebt Regisseur und Autor Peter Wagner durch Video-Projektionen und Bühnengeschehen die beiden Realitätsebenen Werk und Leben von Dylan Thomas (authentisch verkörpert durch Alexander Mitterer), die stimmige „Filmmusik“ dazu liefert das bewährte Duo Primus Sitter und Gfrerrer, das hinter der Projektionsleinwand aufspielt.

Geraucht wird viel in diesem Stück über zwei exzessive Leben im Alkoholdunst, gesprochen auch: „Er war eine Naturgewalt, hörte nie auf zu reden“, erinnert sich Caitlin an ihren Mann in der Produktion, die ausschließlich aus der Montage von Originalzitaten besteht. Gernot Piff verkörpert dabei, quasi moderierend, die Stimmen anderer, Isabella Ban ist wortlos die personifizierte Poesie, die den Schriftsteller umkreist. Doch die Sprache spielt leidenschaftlich die Hauptrolle in diesem Dylan-Thomas-Porträt, das sinnlich illustriert, wie sich Lyrik ganz ohne Eitelkeit und Getöse auf die Bühne bringen lässt. Sehenswert!
Karin Waldner-Petutschnig, Kleine Zeitung







FRAGEN AN DEN REGISSEUR PETER WAGNER
gestellt von Maja Schlatte

Im ke-Theater ist nun das dritte Stück zu sehen, bei dem Peter Wagner mehr als Regie leistet, neue Stücke baut und zusammensetzt, um das Szenische erst möglich zu machen. So haben wir es tatsächlich mit einem Triptychon zu tun (Lampersberg, Fian, Dylan Thomas). Das Besondere  dabei ist, daß Sie die Rechte der Autoren auf ihre „Produkte“ (Texte, Musik) zu 100 Prozent achten …

Ja, es ist zwar in jedem dieser drei Produktionen das Stück von mir, nicht aber der Text. Wobei selbstverständlich in der Collagierung bzw. Zusammensetzung der Texte eine dramaturgisches Konstrukt von Bezügen entsteht, die von den Autoren bzw. im ersten Fall vom Komponisten ursprünglich so nicht intendiert waren. Insofern ereignet sich bei dieser Methode sehr wohl eine Manipulation, die ein völlig neues Kunstprodukt generiert. Antonio Fian war mit meiner Auswahl und Inszenierung seiner Dramolette in „Stille im Dramolettenwald“ jedenfalls sehr zufrieden. Und ich wäre natürlich gespannt drauf, wie Gerhard Lampersberg und Dylan Thomas die ihnen und ihren Arbeit gewidmeten Stücke rezipieren würden. Aber die leben halt nicht mehr. Wären diese  drei  theatralischen und multimedialen Arbeiten ein reales Triptychon an der Wand – welches hinge,  für Sie persönlich, tragend  in der Mitte? Ich denke, es wäre „Lady´s Voice“, die drei Uraufführungen von Lampersberg-Stücken. Surreales bieten alle drei Künstler zuhauf, aber hier schafft die Musik von Lampersberg, die für mich eine echte Entdeckung war, das Gewicht für die Mitte. Fian und Thomas sind für mich die Flügel an den Seiten. Das hat natürlich nichts mit einer künstlerischen Wertung zu tun, sondern tatsächlich damit, dass ihre Kunst durch die Beziehung zum Wort, durch die Ausgestaltung der sprachlichen Sinnzusammenhänge und der spielerische Umgang mit diesen von vorne herein eine andere Sinnlichkeit bzw. sinnliche Wahrnehmung in sich trägt als die Musik.



Dylan Thomas ist Ihrer und meiner Generation als Kultfigur im Bewußtsein. Für die Jüngeren leisten Sie jetzt Bildungsarbeit. Wie wir Sie kennen, ist es aber sicher nicht die einfache Message vom versoffenen Künstler, wie manche meinen könnten. Ist es das Scheitern an sich, das Nichtzurechtkommen mit dem Spagat zwischen Kreativem und dem realen Leben?

Der versoffene Künstler taugt seit Urzeiten als Klischee für frivol gefällige Unterhaltung, nicht aber als Erklärungsmuster für irgendwas, denn was einen schaffenden Menschen in die Selbstzerstörung durch Alkohol und/oder Drogen treibt, wurzelt in einer vielschichtigen Psychomotorik und ist sowieso niemals einfach zu erklären oder gar zu beurteilen. Was dabei fast immer übersehen wird: Die Verschleuderung des Selbst, das im Kunstwerk kumuliert, an die Öffentlichkeit, zu der es den Künstler nicht nur drängt, sondern die er sich abfordern muss, und sei es nur aus ökonomischer Notwendigkeit. Nun kann man bei Dylan Thomas, der sich selbst als Trinker bezeichnete und zuletzt wohl ein schwerer Alkoholiker war, kaum von einem Scheitern in literarischen Belangen sprechen. Und er hat ja auch eine ungeheure Verehrung bei seinen vier Lesereisen in den USA erfahren, die ihn fast zu so etwas wie einen Rockstar der Lyrik werden ließ. Sein Scheitern, so wie ich es sehe, hat eigentlich im realen Leben stattgefunden, also nicht in seinem kreativen Schaffen. Und das ist zugleich das Drama, in das nicht nur er selbst verstrickt war, sondern auch seine Frau Caitlin, eine von der Persönlichkeitsstruktur her völlig anders gelagerte Figur – die aber das Scheitern im realen Leben durch ihre eigene Alkoholkrankheit noch erheblich verschärft hat. Natürlich ist diese in jeder Hinsicht verrückte, bis zuletzt nicht zerbrochene Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen, die sich neben aller Zärtlichkeit auch eine Menge Gewalt und Betrügereien antaten, einer genaueren Hinterfragung würdig, zumal ja Caitlin als junge Tänzerin selbst auch künstlerische Ambitionen hatte, die sie dann für ihr Leben mit Dylan und ihre gemeinsamen drei Kinder geopfert hat. Sie hat den Aberwitz ihrer Beziehung und Liebe zu Dylan in zwei Büchern festgehalten, in denen sie in fast masochistischer Schonungslosigkeit und Härte über sich und ihren berühmten Mann erzählte. Beide Bücher sind Dokumente eines ungeheuren Schmerzes – und einer ebenso schmerzenden, in ihrem Tiefsten freilich auch befreienden Liebe.



Was mich aber bei der Erstellung des Stücks mindestens genauso interessiert hat, war das Auffinden sublimer persönlicher Motive zwischen Dylan, Caitlin und ihrer beider Identität in der walisische Provinz im dramatischen Hauptwerk Dylan Thomas´ „Unter dem Milchwald“. Ich war nach der Lektüre eines Dutzends Bücher von und über Dylan Thomas und dem nochmaligen Lesen von „Unter dem Milchwald“ teilweise fasziniert von der Unmittelbarkeit, mit denen Dylan die Archetypen seiner skurrilen Dorfbevölkerung mit Elementen durchwirkt hat, die unschwer als Teile seines eigenen Beziehungsgeflechts mit Caitlin und der eigenen persönlichen Befindlichkeit zu erkennen waren - wenn auch durch seine einzigartige Sprachbegabung in Gefilde zeitloser Poesie gehoben.
 
Daher habe ich in meinem dramaturgischen Ansatz eine Verschränkung von Vita und Werk riskiert, wobei ich für die beiden Ebenen nach unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen suchte. Die Vita wird ausschließlich durch Textzitate von Kommentatoren und Biografen sowie aus Dylans Briefen und Caitlins Büchern erzählt, ist also in sich nicht dialogisch gebaut. Da ereignen sich dann die ausgewählten Ausschnitte aus „Unter dem Milchwald“ fast schon von selbst als der eigentliche dramatische Widerpart. Als kleine Draufgabe erzähle ich die Caitlin-Dylan-Beziehung im Stück von hinten nach vorne und die Milchwald-Szenen von vorne nach hinten. 



Die Muse als auftretende Figur ist zum zweiten Mal präsent, Sie zeigen ihre verführenden und ihre grausam fordernden Seiten. Ist das der Kern des Triptychons – Fluch und Segen der Gabe?

In der Weise, dass sie „ihre verführenden und ihre grausam fordernden Seiten“ zeigt, ist sie hier durchaus nicht vorhanden. Sie ist eine Figur, die keine klare Zuweisung besitzt, was im Falle der Künstlerin Bella Ban auch gar nicht möglich wäre. Sie selbst wehrte sich im Verlauf der Proben sogar gegen ihre Zuordnung als Muse, sie sagte, sie sei „das Gedicht“. Da Bella Ban, die ja keine Schauspielerin ist, sich aber dennoch stets als verbürgte Authentizität einzubringen vermag, hat sie bei mir auf der Bühne stets freie Hand, d.h. sie erhält von mir, anders als die anderen Mitwirkenden, keine oder kaum Anweisungen, in welche Richtung ihre Figur zu gehen habe. Gerade dadurch wird sie aber für mich als Regisseur zu einer wichtigen Projektionsfläche, durch die ich manche Dinge von dem, was wir hier am Theater eigentlich tun, zusätzlich oder manchmal auch neu erfahre.
Was den Kern des Triptychons betrifft, so ist es sehr schwer – außer in den formalen Ansätzen, die ich als meinen eigenen Zugang betrachte -, einen gemeinsamen Kern herauszufiltern, dazu sind sie doch zu eigenständig von Hintergrund und Botschaft her. Man käme hier schnell ins Spekulieren, das erspar ich mir lieber.



Charakteristisch für alle drei Theaterarbeiten ist Ihr Einsatz von filmischen Mitteln, Projektionen und Musik. Bei „Lady´s Voice“ war die Musik Ausgangspunkt, Uraufführungen von Lampersberg. Bei Fian das bewusste Wegführen von den neuen Wienerliedern, die sonst seine Lesungen zieren, zur  Persiflage der kärntnerischen Männerquintettdomäne durch Fraueninterpretation. Was ist die Melos-Botschaft zu Dylan Thomas?

Eben durch die Verschränkung zweier Ebenen, jener der Vita von Caitlin und Dylan Thomas mit dem dramatischen Hauptwerk von Dylan „Unter dem Milchwald“ eröffnete sich für mich zunächst die Notwendigkeit, die Unterschiedlichkeit dieser beiden konträren Zugänge auch formal bzw. ästhetisch auszuweisen – auch wenn sie sich im Lauf des Stücks mehr und mehr einander annähern, bis sie zuletzt kaum noch zu unterscheiden sind. Dazu hilft mir einerseits die weitgehend filmische Auflösung der Milchwald-Szenen, die auch rein optisch die fiktionale Überhöhung des Lebens durch die Poesie signalisiert, andererseits aber natürlich auch die Musik. Sie ist für mich der mentale Angelpunkt im lyrisch-sprachlichen Universum des Dichters Dylan Thomas, wie er sich auch gerade durch „Unter dem Milchwald“ zieht. Die Botschaft der Musik erschließt sich nie über den Intellekt alleine, und so ist auch vieles im sprachlichen Schaffen von Dylan Thomas von der Art, dass seine Schwingungen genauso von Bauch und Herzen empfangen werden müssen. Irgendwann in seinen letzten Jahren hat Dylan Thomas zugegeben, dass er manche seiner Sätze und Wortgeflechte, ja ganze Gedichte seiner frühen Jahre nicht mehr verstehe – und hat sie dennoch auf seinen enthusiastisch gefeierten Lesereisen in den USA vorgetragen, einfach des betörenden Klanges wegen.


Stücke Peter Wagner
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
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