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Peter Wagner: Aktion am Drulitschweg

Verlag Nentwich-Lattner, Eisenstadt 1981. 105 Seiten
ISBN: 3-900-356-05-X
(vergriffen)

 


 

Nach der Lektüre von „aktion am drulitschweg“ fällt mir jener Satz ein, mit dem Nathalie Sarraute, Altmeisterin des französischen „nouvau roman“, auf die Frage, wie sie zum Schreiben gekommen sei, geantwortet hat: „Ich habe nur für mich geschrieben, man kann nur für sich und über sich schreiben. Wenn ich nicht geschrieben hätte, wäre ich wahnsinnig geworden.“ Literatur als Selbstbewältigung also, als Identitätsfindung.

In der Tat geht es auch in allen Geschichten von Peter Wagner um Identität in irgendeiner Form. Besonders die Frage nach der Identität als Mann und um die Identität als Burgenländer ziehen sich dabei wie unsichtbare Fäden durch seine Erzählungen.

So haben mich die Stücke „loch“ und „aktion am drulitschweg“ auch am schmerzhaftesten dort getroffen, wo man sich des Mann-Seins am direktesten bewusst wird: unter der Gürtellinie. Mit bisweilen zusammengekniffenen Beinen erlebt man die Stationen eines in Emotionen gefangenen Mann-Werdens und Mann-Seins. Protokolle eines männlichen Bewusstseins, die den Mann als Marionette und Opfer seiner unverstandenen Sexualität darstellt. Im Kampf zwischen den und innerhalb der Geschlechter werden die Akteure zu Veteranen eines Guerillakrieges, den sie niemals durchschaut haben. In der Titelgeschichte tötet der Sohn den Vater und Nebenbuhler. „Ich habe mir selbst geholfen, und eigentlich bin ich schon frei.“ resümiert er mit dem Autor Peter Wagner.

Zwischen diesen Persönlichkeitskonflikten bricht aber gleichzeitig auch immer etwas anderes an die Oberfläche. Ein gnadenloser Provinzalltag mit seinen gesellschaftlichen Zwängen und nicht vorhandenen Ventilen, undurchdringlich kleinbürgerlichen Moralvorstellungen und manchmal auch mit sehr persönlichen Formen der Revolte. In diesem Milieu wurzelt Wagner. Allesamt sind seine Figuren Typen aus der Provinz oder allemal Randfiguren einer Großstadt, die sie aufgesogen hat.

Nicht nur in der Geschichte von den „burgenbürgern“ ist der Bezug zum Burgenland eindeutig, ohne jedoch mit György Sebestyen in Weinseligkeit und Bukolik, oder mit dem „Heimatmaler“ Kumpf in bloßfüßige Selbstzufriedenheit zu verfallen.

„Purdy Pista sagt, die Cymbal ist tot“ ist vielleicht die burgenländischeste aller Geschichten und Erzählungen, die ich kenne, und das gerade weil sie nicht in jenem Trugbild „Pannonien“ angesiedelt ist, sondern in Heidelberg und Auschwitz und Oberwart. Vergangenheit und „sense of place“ nicht als fabriziertes Klischee, sondern dargestellt an einem Einzelschicksal eines Zigeuners. Ein heißes Eisen als Teil eigener Geschichte und regionaler Identität.

Gerhard Baumgartner, APROPOS

 


 

Jene Kultur aber, die provokant diese Gesellschaft in Frage stellt, die sich um einschneidende Veränderungen bemüht, entgegnet man mit stiller Zensur, mit Denunziation, oder rechnet immer noch mit der Käuflichkeit des Menschen. Um einerseits nicht so einfach vereinnahmt werden zu können und trotzdem die Möglichkeit zu bewahren, für systemkritische Informationen und Literatur eine größere Öffentlichkeit herstellen zu können, entstanden in den letzten Jahren Dutzende neue Literatur- und Jugendzeitschriften, entstanden Kleinverlage, ja sogar ein eigenes engagiertes Schallplattenlabel.

Aus diesen neuen Literaturproduktionsbedingungen entwickelten sich die „Schriftsteller neuen Typs“, obwohl sie eigentlich die neuen Vertreter der Jahrhunderte alten „Sänger“ sind, welche in früheren Zeiten von Hof zu Hof gezogen waren, Nachrichten durch Lieder und Geschichten verbreiteten, die aufgwiegelten, aufhetzten, schwer zu fassen waren, einmal hier, einmal dort, und immer irgendwo Unterschlupf fanden. Peter Wagner ist ein fahrender Sänger und Geschichtenerzähler, im Burgenland aufwärts und abwärts bekannt wie ein bunter Hund, beargwöhnt von den Bürgermeistern und Gendarmerieinspektoren, gefürchtet von scheinliberalen, sich progressiv gebenden Kulturbonzen. Ausgeflippt und konkret, wild und zärtlich, laut und leise, heiser schreiend, verzweifelt weinend, aggressiv und behutsam, wie Wagner und seine Lieder, seine verrückten Geschichten und Aktionen sind, lieben ihn alle jungen Freaks im Land.

Er ist der, der man gerne sein möchte, aber sich noch nicht zu sein wagt, er ist der, vor dem schon unsere Eltern gewarnt haben, er ist der, der keine Angst hat, mit zynischen Spott und Spaß und Einsicht zugleich, der mitreißend schreiben kann, er ist der, der irgendwann eine ganz große Sache drehen wird, wo dem gesamten Spießerpack das Ohrensingen kommen wird.

Was an Peter Wagner so gefällt, ist, dass es bei ihm nicht diese Elfenbeinturmtrennung zwischen seiner Literatur uns seinem Leben gibt. Seine Geschichten und Lieder sind aus der Bewegung herausgewachsen, in der er vorne aktiv mitarbeitet. In jeder seiner Erzählungen erkennt man Typen wieder, mit denen er in der burgenländischen Kulturgruppe „Ohrwaschelschluifer“ oder dem von ihm mitbegründeten „antifaschistischen Personenkomitee“ im Burgenland zusammenarbeitet.

Er schreibt das, was die anderen alle wissen und erzählen.

Er klärt auf, sensibilisiert, signalisiert und organisiert mittels seiner Literatur. Mit seinen Texten kann er Wut und Hoffnung provozieren.

So märchenhaft die Geschichtenhandlungen oft auch klingen mögen, so bitterwahr sind sie. Wagner schreibt Texte, die man anfassen und gebrauchen kann. Seine Geschichten sind aber auch unbedingt gutwilligen Eltern und Schulmeistern dringend zur Lektüre zu empfehlen, die kopfschüttelnd immer noch nicht begreifen können, warum ihre Kinder trotz Sommerhäuschen, Farbfernseher und Zweitauto so ganz anders geworden sind.

Wagners Erzählform kommt ohne formalistische Gags und Avantgardismen aus, sind lebendig und eindringlich. Ich weiß nicht, ob diese Texte je „Weltliteratur“ werden, sicher bin ich mir darin, dass Peter Wagner dies ganz bestimmt nie anstreben wird, daher kommt seine Unbekümmenheit beim Schreiben.

Wesentlich bleibt jedenfalls, dass seine Texte einen sehr guten Boden haben und dass seine Methode des Schreibens der Literatur wieder ihre Glaubwürdigkeit zurückgeben kann.

Gerald Grassl, FRISCHFLEISCH LÖWENMAUL

 


 

Nachdem Peter Wagner mit mehreren Hörspielen hervorgetreten ist, eine LP mit eigenen Liedern aufgenommen hat, liegt der erste Band mit Erzählungen vor. Die zentralen Figuren in den Geschichten sind Gescheiterte, Lebenskünstler, Außenseiter jeglichen Alters, die an den Umständen, am Leben, an sich selbst zerbrochen sind. Die ehemaligen oder verhinderten „Helden“ haben entweder ihre Chance verspielt oder haben niemals eine reelle besessen. Fast die Hälfte des Buches nimmt die Titelgeschichte ein, eine spannend erzählte Abrechnung eines Jugendlichen mit seinen Feindbildern und deren Repräsentanten. Wenn er dabei auch selbst auf der Strecke bleibt, hat er seine angestrebte Freiheit schließlich doch erreicht. Manchmal scheinen seine „Aktionen“ im Widerspruch zu der sie beschreibenden Sprache zu stehen: Mit sanften und versöhnlichen Wörtern werden Aggressionen ausgedrückt. Wagner versteht es, dem Leben Geschichten abzulauschen, sie in Sprache zu packen und den Lesern mit unerwarteten Wendungen zu verblüffen.                                                    

Manfred Chobot, NEUE WEGE

 

„Die Burgenbürger“ – Ein burgenländisches Märchen

 


 

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