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Burgenländische Landeshymne. Eine Erregung

 

 

Pannonisches Dichten
8. Juli 2013, 18:35

Teilnehmen können Personen jeden Alters, aller Bundesländer und insgesamt Nationen, die sich literarisch mit den Themen Frieden und Gewaltfreiheit auseinandersetzen möchten
Eisenstadt & Zeljezno & Kismarton & Tikni Martona, das ist, namenstechnisch, nicht ganz einfach zu erlernen und dann auch zu handhaben. Kann man das aber, dann ist auch der heuer vom Forum Gewaltfreies Burgenland ausgeschriebenen Literaturpreis wohl ohne weiteres zu bewältigen. Die Plattform der Kinder- und Jugendanwaltschaft möchte nämlich eine neue Landeshymne, in der das Nona der Vielsprachigkeit - Asch fehlt bei Aisenschtadt noch, aber Asch wurde 1938 ja umgebracht - zur Selbstverständlichkeit der Friedfertigkeit sich formuliert.
Teilnehmen können Personen jeden Alters, aller Bundesländer und insgesamt Nationen, die sich literarisch mit den Themen Frieden und Gewaltfreiheit auseinandersetzen möchten. Die drei erstgereihten aller eingereichten Beiträge werden mit dem "Goldenen Kleeblatt gegen Gewalt 2013" ausgezeichnet und mit Geldpreisen - 1000, 700, 500 Euro - prämiert. Den einschlägig literarischen Preis gegen Gewalt 2012 gewann die Deutsche Miriam Rademacher mit ihrem kindgerechten Märchen Krebs in Knoblauch.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht teilnehmen - man hört, er arbeite an einem neuen Buch - wird der pannonische Rappelkopf Peter Wagner, der schon 1981 Politikern - vornehmlich schwarzen - die Gelegenheit zum Aufpudeln gegeben hat. 1981 schrieb er, dem 60er des Burgenlandes gedenkend: "Mein Heimatvolk, mein Heimatland, dem Arsch der Welt verbunden!" Und weiter: "Du bist gestählt, ganz wie Beton, aus Kirche, Suff und Pendlersfron."
Das Buch, in dem diese wunderbare - für allfällige Kleeblattbeiträger: Achtet das Fugen-s - Dichtung erschien, hatte damals SP-Kulturlandesrat Gerald Mader zu verantworten. Der gründete nach seiner Pensionierung die Friedensuniversität auf Burg Schlaining.
wei, DER STANDARD, 9.7.2013 - print und online

Abend
APA 112-KU

Streit um Parodie auf burgenländische Landeshymne – EISENSTADT, 19.8.1981 (apa) – Eine vom burgenländischen Nachwuchsschriftsteller Peter Wagner verfasste Parodie auf die burgenländische Landeshymne erregt zur Zeit die Gemüter in Österreichs jüngstem Bundesland. Kritisiert wird aber weniger die respektlose Textierung – „mein heimatvolk, mein heimatland, dem arsch der welt verbunden“ lauten z.B. die ersten zwei Zeilen, in der weiteren Folge heißt es dann: „du bist gestählt ganz wie beton aus kirche, suff und pendlersfron“ –, sondern vielmehr die Tatsache, dass diese „Beleidigung aller Burgenländer“ mit Billigung und finanzieller Förderung der Kulturabteilung der Landesregierung erschienen ist.

Peter Wagners Parodie auf die Hymne ist ein Beitrag zum 299 Seiten starken Sammelband „Hat Heimat Zukunft?“, in dem 29 Autoren, darunter auch Peter Turrini, Stellung nehmen. Das von der Kulturabteilung subventionierte Buch erschien aus Anlass der Mattersburger Kulturtagung der österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik im Juni 1981.

Empfindliche Seelen fühlen sich verhöhnt und verspottet, Kulturreferent Landesrat Dr. Gerald Mader, der nach Meinung eines besonders erbosten Burgenländers sogar zurücktreten sollte, nimmt die Angriffe gelassen hin: „Ich werde weder Kultur verordnen, noch den Zensor spielen“, erklärte er. Er wisse, dass es immer konservative Kräfte gebe, die sich mit einer liberalen Kulturpolitik schwer tun. Mader verweist dabei auf das „Schicksal“ des steirischen Kulturpolitikers Univ. Prof. Dr. Hannes Koren, der wegen des „steirischen herbstes“ aus dem eigenen Lager als „Sittenverderber“ angegriffen worden sei. Im Übrigen sei er, Mader, jederzeit bereit, das Thema „Literatur und Freiheit“ im Rahmen einer gesamtösterreichischen Tagung im Burgenland zu behandeln. Bei dieser Tagung könnten alle zu Wort kommen. (Schluss) sk

APA 112   1981-08-19/12:12

 

 

Kultur, die alle Welt beleckt…

Der burgenländische Alternativliterat Peter Wagner hat seinem Heimatland zum 60. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Gezeichnet von »gnadenlosen Provinzalltagen mit ihren gesellschaftlichen Zwängen und undurchdringlichen kleinbürgerlichen Moralvorstellungen«, hat er aufgeschrie(b)n. Herausgekommen ist »halt etwas Provokantes«. Seine eigenartige Version der Burgenländischen Landeshymne wird von den zahlreichen Kritikern als Beschimpfung und Heimatlästerung verurteilt, für Wagner selbst ist sie eine Parodie, ein Kunstmittel.

Zweifellos findet sich der Bogen der Konvention bis zum Brechen überspannt, wenn Peter Wagner das Burgenland mit dem Arsch der Welt verbindet. Zweifellos ist der Südburgenländer im ersten Zorn blind gegenüber Schönem und Positivem im Lande (man darf gute und schlechte Linsen nicht in einen Topf werfen). – Aber so ganz Unrecht hat er leider nicht. Die Parteibuchwirtschaft wird auch von Politikern zugegeben. Die heiligen Technokraten der Raumplanung etwa sind erst jüngst vom Rechnungshof ihres Heiligenscheins beraubt worden. Ausverkauf der Natur: bitte schauen Sie sich das Baulos »Sieggraben« der neuen Schnellstraße an. Und die Verschacherung des Landes fällt anscheinend nur den jungen Menschen auf.

Feinfühlendere Naturen hätten wahrscheinlich nach schöneren Worten gerungen (und sie auch gefunden). Peter Wagner provoziert bewusst (nicht nur, weil er sich von höchster Kulturstelle dazu eingeladen fühlt). Das ist sein (Un?)Stil. – Es bleibt zu hoffen, dass jene (durchaus legitimen) Kritiker, die sich an Peter Wagners Worten stoßen, sich auch an den Missständen in der Heimat Burgenland stoßen …

Kulturlandesrat Dr. Mader hat viel Mut bewiesen, indem er die Landeshymne des Alternativliteraten auf Kosten der Steuerzahler veröffentlichte. Wir wünschen ihm ebensoviel Mut, dass er darangehe, die wie Pilze aus dem Sumpf geschossen »Dandies der burgenländischen Hochkultur« auf jenes Ausmaß einzudämmen, das Bauern und Pendlern nicht mehr zum Hohne gereicht.

R. L., MAULWURF

 

 

»Audiatur et altera pars«
Diesem Grundsatz der Demokratie folgend, haben wir Peter Wagner eingeladen, seinen Kritikern zu antworten:

Neuhaus, am 23.8. 81

Lieber Rupert,

Dankeschön für den Brief und für das Angebot.

Ich kann mich allerdings nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden, etwas und schon gar etwas Rechtfertigendes über diese meine Landeshymnenversion zu schreiben. Als besessener Kulturaktivist besitze ich ein gewisses Selbstverständnis, an mir zu Gebote stehende Aufgaben in einer bestimmten Form heranzugehen, ungeachtet der möglichen Folgen, würde ich diese im Vorhinein programmieren oder meine Arbeit ganz nach Ihnen ausrichten, wäre dies der erste Schritt zur Korruption.

So hat es mich denn auch überrascht, wie wütend die Reaktionen zum Teil ausgefallen sind. Im Nachhinein verwundern Sie mich allerdings nicht mehr: Gerade bei uns im Burgenland wurde von Politikern aller Farben ein gewisses Heimatethos gefördert (Nachzügler- und Aufholertum), das die Burgenländer in Verbindung mit gewissen gesellschaftlichen Diskriminierungen (Burgenländerwitz, Pendlertum, Benjamindasein) auf jegliche Verspottung sehr empfindlich reagieren lässt. Eigentlich ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass die tatsächliche, so oft zitierte Emanzipierung des Burgenlandes (was ist diese Emanzipierung überhaupt bzw. was soll sie bedeuten?) nur in den Köpfen narzistischer Landeshauptleute existiert.

Im Übrigen möchte ich darauf verweisen, dass Satire, Parodie, Pamphlet uralte literarische Kunstmittel sind, derer ich mich als literarischer Handwerker mitunter halt so bediene. Und wenn es wirklich stimmt, was man so sagt und schreibt, dass unser Kulturlandesrat auf diese »Parodie« hin eine Tagung zum Thema »Freiheit in der Kultur« bzw. »kulturelle Freiheit« veranstalten will, dann hat das Ganze schon mal einen Sinn gehabt. Obwohl ich andererseits den Sinn solcher Tagungen bezweifeln möchte. Aber das führt in eine zu grundsätzliche Diskussion, als dass ich sie hier anreißen möchte!

Alles andere, was zur »Landeshymne« noch zu sagen wäre, findest du im ebenfalls abgedruckten Briefwechsel mit Frau Klara Köttner-Benigni. Leider ist auf den bis jetzt noch immer vergessen worden, aber wahrscheinlich ist er auch nicht so wichtig. Wichtig erscheint mir hingegen hinzuzufügen, dass ich mich seit meinen Anfängen als Schreiber immer wieder in verschiedener Form mit dem Burgenland auseinandergesetzt habe. Das Buch, das jetzt im September erscheint, dokumentiert einen Teil dieser Arbeit.

Grüße an die Redaktion

Peter Wagner

MAULWURF

 

 

Tagebuch
„Kirche, Suff und Pendlersfron“

„Mein Heimatvolk, mein Heimatland, dem Arsch der Welt verbunden“: Mit diesen Worten hebt eine Parodie auf die burgenländische Landeshymne an, die so manchem patriotischen Burgenländer die Zornesröte aufsteigen lässt. Verfasser dieser Zeilen ist ein Nachwuchsschriftsteller aus Österreichs jüngstem Bundesland. Peter Wagner. „Du bist gestählt ganz wie Beton, aus Kirche, Suff und Pendlersfron“, lautet weiter der Versuch einer parodistischen Charakteristik, die in einem Sammelband anlässlich der Mattersburger Kulturtagung der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik bereits im Juli dieses Jahres erschienen ist. Der burgenländische Nachwuchsschriftsteller ist in dem Band mit dem fragenden Titel „Hat Heimat Zukunft?“ übrigens in Gesellschaft von 28 Mitautoren, unter ihnen auch Peter Turrini, zu finden.

Auf konservativer Seite, wo man bekanntlich für Kunstversuche wenig Interesse aufbringt, versucht man – erst durch einen Leserbrief in einer burgenländischen Zeitung aufmerksam geworden –, die „Beleidigung aller Burgenländer“ politisch auszuschlachten. Die Kulturabteilung der Landesregierung, erbost man sich, habe solches auch noch finanziell unterstützt. Indem sie diesen Sammelband herausgebracht hat.

Der zuständige Landesrat, Gerald Mader, bleibt gelassen: „Ich werde weder Kultur verordnen noch den Zensor spielen“, pariert er erbitterte Angriffe, und fügt hinzu: Er wisse, dass es immer konservative Kräfte gibt, die sich mit einer liberalen Kulturpolitik schwer tun.

Mader schlägt nun eine gesamtösterreichische Tagung im Burgenland zum Thema „Literatur und Freiheit“ vor, bei der alle – auch Gegner von Parodien, wie sie Peter Wagner verfasste – zu Wort kommen. Eine Reaktion auf dieses Angebot lässt noch auf sich warten.

Ilse Brandner-Radinger, AZ

 

 

Nebenbei
Unter diesem Titel erschien in der BF ein Kommentar zum 60. Geburtstag unseres Landes.

Fast zur gleichen Zeit versandte Landesrat Dr. Mader ein von der Kulturabteilung herausgegebenes – und von den burgenländischen Steuerzahlern bezahltes – Buch zu dem selben Thema. In diesem Buch schreibt ein „Dichter“, der sich selbst als intellektueller Randalierer bezeichnet, wobei intellektuell sicherlich ein starkes Eigenlob ist, seine Version von der Landeshymne.

Hier heißt es ganz offizielloffensiv: „mein heimatvolk, mein heimatland dem arsch der welt verbunden… du bist gestählt wie ganz beton aus kirche, suff und pendlersfron“.

Mag sein, dass manche progressive Kämpfer an der Kulturoffensive diese Verschandelung und Verhöhnung der Burgenländischen Landeshymne als moderne Literatur ansehen.

Das ist Geschmacksache. Die überwiegende Mehrheit der Burgenländer lehnt diese Art von „Kultur“ ab.

Man könnte das ganze als Privatsache eines Schreiberlings abtun, wenn nicht das Geld für diese Tätigkeit vom sozialistischen Landeskulturrat Dr. Mader eben aus der Tasche der überwiegenden Mehrheit genommen und für solche Beleidigungen weitergegeben, oder wie es im sozialistischen Polit-Sprachgebrauch heißt, umverteilt wird.

BVZ

 

 

VP-Landesparteisekretär Jellasitz:
Landesrat Mader informiert nicht richtig

Zu dem umstrittenen Beitrag in einem burgenländischen Buch, wo die Landeshymne abgeändert und die Burgenländer damit beleidigt werden, dass unser Land als „Arsch der Welt“ bezeichnet wird, erklärte LPS Jellasitz, dass sich Landesrat Mader streng genommen strafbar gemacht hat:

  • Hätte LR Mader als Rechtsanwalt wissen müssen, dass eine Abänderung der Landeshymne laut Paragraph 248 Strafgesetzbuch verboten ist.
  • Hätte die Kulturabteilung der Landesregierung, deren Chef Landesrat Mader ist, von sich aus lt. Paragraph 84 des Strafgesetzbuches einschreiten und eine derartige Verhöhnung und Beschimpfung unserer Landeshymne verhindern müssen.
  • Hätte Landesrat Mader einen derart unflätigen und pietätlosen Beitrag in diesem Buch nicht mit Steuergeldern fördern dürfen.

„Es ist diesem Künstler und Landesrat Mader vorgehalten geblieben, im Jubiläumsjahr des Burgenlandes alle Landsleute zu brüskieren. Wenn sich Landesrat Mader darauf ausredet, dass er die Künstler nicht zensurieren will, informiert er nicht richtig, weil hier eindeutig strafbare Tatbestände vorliegen. Unsere Menschen müssen sich dafür, dass mit ihrem Steuergeld so genannte ’Kursbeiträge’ finanziert werden, nicht auch noch beleidigen lassen.

Wir fordern LR Mader auf, mehr Sorgfalt und Korrektheit in seinem Amt walten zu lassen“, erklärte der ÖVP-Landesparteisekretär.

Am 12. und 13. Oktober treffen sich alle VP-Mandatare zu einer Klausurtagung und für den 20. Oktober ist es Jellasitz gelungen, den österreichweiten Kongress über die soziale Marktwirtschaft ins Burgenland zu bringen. Der burgenländische VP-Wirtschaftssprecher Graf wird maßgeblich daran mitwirken.

Für den 26. Oktober, den Nationalfeiertag, ist wiederum eine „Aktion Danke“ geplant. Dabei bedanken sich alle VP-Funktionäre bei den Burgenländern anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums für die geleistete Arbeit.

Jellasitz abschließend: „Im November werden wir uns in einer Woche der Volkspartei selbst präsentieren. Dabei findet eine breite Palette von Veranstaltungen statt, die die VP als bürgernah und aufgeschlossen zeigen werden.“

BVZ

 

 

„Saubermännern“ eine geknallt

Der „KURIER“ mischte sich – Sensation hin, Sensation her – in die von der VP-Burgenland vom Zaun gebrochene Auseinandersetzung um eine Darstellung des burgenländischen Schriftstellers Peter Wagner bezüglich der burgenländischen Landeshymne. Kein Wunder: „KURIER“-Mitarbeiter Reinhard Wenzel wurde mit 81-09-01 Chefredakteur der VP-Burgeland-Postille; seine Sporen verdiente er sich – wie man heute weiß – bei der fadenscheinigen Abwahl des Oberwarter Bürgermeisters Ernst Schmaldienst durch eine machtbesessene Gruppe. Gleichzeitig kann (und wird) Reinhard Wenzel im „KURIER“ weiterhin zu burgenländischen Themen Stellung nehmen. Zu bemerken ist allerdings, dass sich der Kultursprecher der VP-Burgenland, LAbg Josef Schmall, von der Kampagne seiner Partei distanziert hat, wie er Kulturlandesrat Gerald Mader wissen ließ. Klara Köttner-Benigni, die die Redaktion des Sammelbandes „Hat Heimat Zukunft“ besorgte, der auch Peter Wagners zeitkritischem Beitrag Raum gab, wandte sich an den Chefredakteur des „Kurier“. Die OZ gibt diesem Schreiben vollinhaltlich Raum. Vorweg noch: Erfreulich, dass es in unseren Tagen noch Politiker mit Rückgrat gibt, wie Gerald Mader. Der die Giftpfeile auffängt, nicht andere besudeln lässt und klarmacht, dass er für die Freiheit des Geistes eintritt.

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

Frau oder Herr gro- lässt sich in ihrer Nummer vom 20. ironisch über die „verhunzte Landeshymne“ aus, die burgenländische nämlich, und darüber, wie empört man im Burgenland über die Parodie ist. Nach der, ach so schrecklichen, Zeit der Burgenlandwitze, die so vielen unerhörte Kränkung gebracht hat, lacht man nun schon wieder über uns. Und über die aus Ihrem Artikel hervorgehenden beleidigten Reaktionen im Land erst recht!

Dabei ist die Geschichte gar nicht zum Lachen. Wo sind die Zeiten, in denen die hungernden, gedemütigten Österreicher noch Humor genug hatten, die Bundeshymne ihrer 1945 glücklich wiedererstandenen demokratischen Republik zu „verhunzen“ als „Land der Erbsen, Land der Bohnen, Land der vier Beatzungszonen…“?! Wie glücklich waren die Österreicher, bei einer Hymne nicht mehr strammstehen und nicht mehr den rechten Arm in einem bestimmten Winkel hochrecken zu müssen!

Wo also beginnen wir Demokraten künftig mit der Zensur?!?

Es gab in den Beiträgen für die damals bevorstehenden Mattersburger Kulturtagung zum Thema Heimat, für die der Band als Diskussionsgrundlage von mir zusammengestellt worden ist, noch brisantere, be-denk-lichere Äußerungen als die Wagners. Aber diese haben die gekränkten Patrioten entweder nicht gelesen oder nicht verstanden.

Bei den Friedensverträgen nach dem Ersten Weltkrieg wurde Österreich als der „Rest“ der ehemaligen Monarchie bezeichnet, als etwas wie der für andere nicht mehr verwertbare Abfall oder Mist, dem die Daseinsberechtigung abgesprochen und dessen Lebensfähigkeit selbst von den Österreichern bezweifelt wurde. Und mit diesem – ich zitiere Wagner – „Arsch der Welt“ wurde der arme westungarische Grenzstreifen als Burgenland verbunden.

Österreich blühte auf. Hoffentlich auch weiterhin. Aber dass hier diese schmutzige Kampagne gegen einen redlichen Landespolitiker wie Gerald Mader entstehen konnte, zeigt, dass es zu einem stinkenden Dreckhaufen zu werden droht, in dem, wie zu Zeiten unseliger Erinnerungen, Saubermänner herumstieren.

In einer Festschrift zum Jubiläum des Burgenlandes hätte die Wagnersche Parodie nichts verloren. Als unbequemer Diskussionsbeitrag für eine Tagung war sie zu tolerieren. Wer wegen solcher Toleranz nach dem Kopf des burgenländischen Kulturlandesrates schreit, will, bewusst oder unbewusst die Diktatur. – Nicht Worte, nicht Hymnen, nicht Tabus sind vor allem zu verteidigen, sondern – und dies kompromisslos – der Geist!

Es wäre nett von Ihnen, wenn Sie meine Stellungnahme an die beleidigten Herrschaften, nämlich Ihre Informanten, weiterleiten würden, die am passenden Ort, bei der Mattersburger Kulturtagung, als Diskutanten auftreten zu hören, ich trotz ständiger Anwesenheit leider nicht das Vergnügen hatte.

Mit freundlichen Grüßen
Klara Köttner-Benigni (Herausgeberin für die Burgenländische Landesregierung)

OZ (Oberwarter Zeitung)

 

 

Mader: „Ich zensuriere nicht!“

Wer sich zur Freiheit des kulturellen Schaffens, die im Burgenländischen Kulturförderungsgesetz verankert ist, bekenne, müsse dies eben aushalten. Er sei aber jederzeit bereit, alle damit zusammenhängenden Fragen aus diesem Anlass in einer gesamtösterreichischen Tagung im Burgenland mit dem Thema „Literatur und Freiheit“ zu behandeln, bei der all zu Wort kommen können.

Abschließend erinnerte Landesrat Gerald Mader daran, dass der bei der österreichischen Kulturtagung in Mattersburg allseits gelobte  und 299 Seiten dicke Sammelband „Hat Heimat Zukunft“ die Beiträge von 29 Autoren zu einem aktuellen Thema enthalte. Vielleicht wäre es sinnvoller, sich mehr mit diesen Beiträgen als mit den beanstandeten vier Zeilen Peter Wagners zu befassen.

Peter Wagners Text: „mein heimatvolk, mein heimatland, dem arsch der welt verbunden, du bist gestählt wie ganz beton aus kirche, suff und pendlersfron“.

„Ich werde als Kulturreferent weder Kultur verordnen, noch den Zensor spielen“, erklärte Kulturlandesrat Gerald Mader zu der von VP-Seite erhobenen Kritik, dass in dem von der Kulturabteilung subventionierten Sammelband „Hat Heimat Zukunft“ auch eine Parodie Peter Wagners über die Landeshymne aufscheine.

Er wisse – so Mader – dass es in einer konservativen Partei immer Kräfte gebe, die sich mit einer liberalen Kulturpolitik schwer tun. So wurde selbst der steirische VP-Kulturpolitiker, Landtagspräsident Universitäts-Professor Hannes Koren aus dem eigenen Lager wegen des Steirischen Herbstes als „Sittenverderber“ angegriffen.

Vor kurzem hatten Kulturjournalisten in Bayern ihre Not, weil der Bayrische Rundfunk eine sehr deftige Parodie zur bayrischen Landeshymne ausgestrahlt hatte.

Mader: „Ich glaube aber nicht, dass die ernst zu nehmenden Kulturpolitiker der burgenländischen ÖVP diese Linie vertreten“.

OZ (Oberwarter Zeitung)

 


 

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